31.12.2010

In vielen Jahren habe ich ca . 2000 Dias fotografiert und bis zu 300 S/W Negativfilme entwickelt. Filme mit Motiven, welche mehr oder weniger wertvoll sind. Doch was tun mit dem Zelluloid im Digitalzeitalter. Die Laborausrüstung ist seit langem entweder verstaubt oder verkauft.

Vor einigen Jahren kaufte ich mir einen guten Diascanner mit ICE. Die Qualität ist tadellos aber die Arbeit sehr zeitaufwendig. Darum habe ich nur einige Negative und Dias damit gescannt. Für Ausstellungen und Vergrößerungen die ideale Lösung.
Allerdings hätte ich eben auch gerne alle anderen Dias als Datei vorliegen. Ein Magazinscanner von Reflecta ist mir zu teuer. Die preiswerten Diaabfotografiergeräte mit CMOS Chip kommen in den Bewertungen schlecht weg. Es soll an Auflösung, Schärfe, Farbtreue etc. fehlen, obwohl die Methode selber spitze ist.

Die Lösung für Dias

Die o.g. Methode des Abfotografierens habe versucht mit meiner DSLR quasi nachzuahmen. Dafür rüstete ich meinen Diaprojektor folgendermaßen um. Das Gerät öffnen , alle vorhandenen Linsen entfernen. Den Wärmeschutzfilter sollte man unbedingt belassen, da wir die Negative nicht grillen wollen. Hinter den Wärmeschutzfilter setzte ich eine Milchglasscheibe ein. Dafür verwendet ich einfach Plaste, welches ich mit der Säge in die passende Form brachte. Als Lichtquelle habe ich die 150 W Birne belassen.

Anbei ein Foto der Umrüstung:
 

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Das Gerät wieder zusammenbauen. Nun wird das Dia im Projektor gleichmäßig und hell beleuchtet. Vor dem Projektor stellte ich ein stabiles Stativ mit meiner DSLR und einem Makro. Mit dem 60 er Makro komme ich nicht genügend ran um formatfüllend das Dia abzufotografieren. Das 105 er VR Makro ging problemlos. Wichtig ist hier das genaue Ausrichten und möglichst eine Kamer mit 100% Sucher oder Life View, welcher i.d.R. immer 100 % anzeigt.Insgesamt dauert es mit dem Stativ eine Weile, den richtigen Abstand zu finden und die Kamera exakt parallel zum Projektor auszurichten. Dann müssen noch die Hochkant Dias gedreht werden. Dann einfach Magazin einlegen, Digitalkamera vorbereiten und Projektor- und Kamera-Auslöser abwechselnd drücken. Besonders schnell geht das mit Fernauslöser und automatischen Diawechsel in ca. 4 Sekunden.

Hier der Aufbau:

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Da mein Projektor automatisch die Dias nach einer einstellbaren Zeit wechseln kann, lief das "scannen" des Magazins in wenigen Minuten durch.

Hinweiß zur Fokusierung:

Ich habe den AF sein Werk tun lassen. Um eine gleichmäßige Schärfe von glaslosen gewölbten Dias zu erreichen habe ich auf Blende 9 oder 10 abgeblendet.

Hinweise zur Belichtung:

Ich habe die besten Erfahrungen mit manueller Belichtung, da eine Überbelichtung nach korrekter Einstellung nicht vorkommen kann. Die max. Helligkeit ist die beleuchtet Opalglasscheibe. Zeiten zwischen 1/250 s und 1/320 s waren üblich.

Hinweiß zum Weißabgleich:

in einigen fällen ließ ich die Automatik seine Arbeit tun, bei alten verblichenen Dias hatte ich beste Resultat mit der Einstellung Leuchtstoffröhre. Hier kann jeder nach belieben entscheiden und so eine Nacharbeit vermeiden. Die Einstellung Leuchtstoffröhre habe ich zugunsten etwas Gelb geändert. Damit habe ich dann 80 Prozent aller Dias kopiert.

Hinweiß Kontrastumfang:

da Dias i.d.R. recht hohe Kontraste aufweißen habe ich gleich den Modus eingeschaltet um den Dynamikumfang des Dias  voll abbilden zu können.
Dadurch gingen feine Details in den hellen und dunklen Partien nicht verloren. 

Empfehlung:

Ich habe gleich alle Dias in JPG und Raw abfotografiert, sodaß alle Möglichkeiten einer späteren Bearbeitung ausgeschöpft werden können. Die Dias werden mit der Zeit nicht besser und manchmal ist darunter ein richtiger Schatz.

Schlußwort:

Die Ergebnisse sind nahezu identisch mit richtigen Scans von sehr guten Scannern. Durch die weiche Beleuchtung habe ich wesentlich weniger Kratzer und Probleme mit Staub.  Dies ist vergleichbar mit den Vergrößerern. Bei Scans mit Diascannern sind häufig Kratzer zu sehen, welche im analogen Verfahren des Vergrößerns durch das weiche Licht nicht sichtbar waren. Ich habe auf diese Weise weniger Nacharbeit. Natürlich hat diese Methode kein ICE, dennoch sind nur wenige Nacharbeiten notwendig. Zu meinen analogen Zeiten habe ich viele Dias in Antinewtongläser gepackt. Der Vorteil ist die gute Planlage, der Nachteil mit Diascanner muß ich umrahmen. Mit der Methode des abfotografierens muß ich dies nicht tun. Der Qualitätsverlust ist nur minimal. Damit habe ich in kurzer Zeit all meine Dias digitalisiert.
Bei der Gelegenheit habe ich gleich mal 300 Dias entsorgt. Sie entsprachen nicht mehr meinen Vostellungen.

Beispielgalerie: (Bilder ohne jegliche Bearbeitung)




Die Lösung für S/W Negative

Natürlich könnte man die Methode auch für S/W Negative anwenden. Ein Reprogerät und eine Leuchtplatte würden hierzu notwendig und ersetzen den Diaprojektor.
Allerdings die ständige neue Justage des Negatives wäre sehr zeitaufwendig. Vermutlich würde ich nach einigen Filmen die Lust verlieren.

Nach langem überlegen und recherchieren im Internet habe mich nun doch entschlossen so ein CMOS Abfotografiergerät zu testen. Die Meinungen gehen sehr auseinander. Zu diesem Zweck habe ich seit kurzem einen Rollei DF-S 190 SE. Weitere Tests diesbezüglich werden hier veröffentlicht.

Frank Gähler

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